Schreiben heißt finden, was in dir liegt! / Das Tagebuch :)

Hallo meine Lieben!

Da ich auf den letzten Beitrag, der mal nichts mit Backen zu tun hatte, so viel positive Resonanz bekommen habe, habe ich mich entschlossen das Ganze weiterzuführen und ab jetzt regelmäßig über Themen zu schreiben, die mich beschäftigen und mich Inspirieren 🙂 Ich habe gemerkt, wie viel Spaß es mir macht auch längere Texte zu schreiben und euch an meinem Leben teilhaben zu lassen. Und da sind wir auch schon beim richtigen Thema! In diesem Beitrag soll es um das Thema schreiben gehen. Um eine ganz bestimmte Art des Schreibens : das Tagebuchschreiben. 

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Manchmal habe ich das Gefühl, die Zeit rinnt mir einfach so aus den Händen. Es fühlt sich an als würde ich einfach stehen bleiben und die Zeit, die Erlebnisse und die tollen Momente, die ich erlebe, ziehen einfach so an mir vorbei. Erst werden sie zu Erinnerungen, doch irgendwann verblassen sie und geraten in Vergessenheit. Dann fühle ich mich manchmal, in stillen Momenten einsam. Bis ich wieder daran denke, wie viel ich eigentlich erlebe. Wie voll mein Leben mit schönen Dingen ist, mit schönen Großigkeiten, aber auch Kleinigkeiten, dessen Schönheit man manchmal auch erst im Nachhinein erkennt. Zum Beispiel ein “Du siehst toll heute aus“ von einer Freundin, oder eine Nachbarskatze, die sich zum ersten mal von dir streicheln lässt. Ich möchte diese Momente festhalten. Meiner Sammelobsession nachgeben und die vielen schönen Momente einfach in die Tasche stecken und mit mir herumtragen 🙂 Besonders bei Reisen geht es mir so. An fremden, neuen Orten blühe ich auf, entdecke andere Seiten und mir und möchte die wundervollen Landschaften und Menschen, die ich kennengelernt habe niemals wieder loslassen 🙂 Ich habe gemerkt, was für ein schöner Weg es ist, sich Stift und Papier zu nehmen und einfach zu schreiben. Ich kann meine Erlebnisse festhalten, aber auch meine Gedanken und Gefühle ordnen. Im Nachhinein reflektieren, wie ich mich in welcher Situation gefühlt habe.

Um all diese Dinge aufzubewahren, zu archivieren, seine Gefühle in diesen Situationen zu reflektieren oder sie bewusster wahrzunehmen ist es nachweislich hilfreich Tagebuch zu schreiben! Schon die alten Römer haben empfohlen Tagebuch zu schreiben, um ein gesünderes Leben zu führen. In den 80er Jahren untersuchte der texanische Psychologe James Pennebaker, wie Schreiben auf seine Studenten wirkt. Das Ergebnis: Wer über seine Gefühle schreibt, tut etwas für seine geistige und körperlich Gesundheit 🙂

Gerade, wenn ich in einer Krise stecke, kreise ich oft gedanklich solange um das Thema, bis ich es unbewusst überhöhe. Ich schenke ihnen eine zu große Aufmerksamkeit und sehe dabei irgendwann keinen Ausweg mehr. Doch wenn ich meine Gefühle aufschreibe, werde ich mir darüber klar was geschieht, warum es geschieht und finde leichter ein Lösung.

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„Manchmal überraschen dich deine eigenen Worte“ steht in einem Artikel, den ich las, über das therapeutische Schreiben. Und die wunderbare Redakteurin, hatte recht! Mich überraschen meine eigenen Worte! Denn Worte und Sprache sind nicht nur ein Instrument, das weitergibt was wir denken und fühlen, sondern auch bei der Selbstanalyse hilft. Und anders als beim Sprechen, bei dem Aspekte wie  Mimik und Gestik oder die Beziehung zu unserem Gesprächspartner eine Rolle spielt, sind wir beim Schreiben mit uns allein und können uns besser auf eine andere Welt konzentrieren. Die Welt in uns. 

Mir selbst passiert es viel zu oft, dass ich im Gespräch mit Freunden an Erlebnisse erinnert werde, die ich längst vergessen habe. Wir vergessen im Laufe unseres Lebens einfach viel zu oft, Dinge, die es wert sind sich an sie zu erinnern. Sei es ein Gemütlicher Abend mit Freunden auf der Terasse, einem Glas Wein und viel zu intimen Gedanken, von denen man dachte, dass man sie nie laut sagen würde, oder eine riesige Party, auf der man nach langer Zeit mal wieder einen ganzen Abend durchtanzt.  

„What I like about photographes is that they capture a moment that’s gone forever, impossible to reproduce“ – Karl Lagerfeld 

Meine Mutter macht im August einen Kurs für autobiografisches Schreiben. Ihr Motiv dahinter ist bewundernswert: Sie will ein Buch über ihr Leben und ihre Erlebnisse schreiben, damit ich und auch meine Kinder sich später an sie erinnern werden. Geschriebenes ist ein Mittel  gegen das Vergessen. Und die Aufzeichnungen können später als Chronik des eigenen Lebens dienen.

Neben der Gedächtnisstütze eignet sich Tagebuchschreiben hervorragend als Psychohygiene. Denn so esoterisch dieses Wort auch klingt, Schreiben wirkt befreiend in jeder Hinsicht. Es erlaubt mir, Abstand vom Alltag zu nehmen und intensiver über das Erlebte nachzudenken. Eine Situation die vorher scheinbar keinen Ausweg hatte, sehen wir plötzlich klar indem wir schriftlich unsere Gedanken sortieren. 

„Schreiben heißt finden, was in dir liegt“ – Rutger Kopland (1934 – 2012)

Generell gibt, dass es keine bestimmte Regel gibt, wie man ein Tagebuch führt. Ein Tagebuch ist eins der persönlichsten Arten, sich auszudrücken. Eine Königin im echten Leben und eine des Schreibens war zum Beispiel Queen Victoria (1819-1901), die 141 Tagebücher hinterließ. Aber nicht nur Königinnen nutzen den Griff zu Stift und Papier, um Klarheit in ihrem Kopd zu bekommen. Herangehensweisen im Umgang mit Sprache und Gedanken haben beim Tagebuch keine Regeln. Das geht am Besten, wenn man einfach drauflos schreibt. ohne sich sorgen über Formate und Grammatikfehler zu machen. Macht schreibt schließlich nicht für die Öffentlichkeit sondern allein für sich selbst. 

In meiner Schulzeit hatte ich eine unglaublich engagierte und Inspirierende Lehrerin, die sich etwas ganz besonderes hat einfallen lassen:) Jede ihrer Klasse sollte am Ende jedes Schuljahres einen Brief an sich selbst schreiben. Eine Art Mini-Tagebucheintrag, indem wir zusammenfassen sollten, wie wir uns in diesem Schuljahr gefühlt haben, welche Freunde wir zurzeit hatten und wir wir uns in der Zukunft sehen. Diese Briefe sollte jeder von uns zur Abientlassung bekommen. Ich war ihre einzige Schülerin, die sie von der 5. Klasse bis zum Abitur haben sollte. Also bekam ich zu meiner Abientlassung einen großen Stapel kleiner, zusammengefalteter DIN-A 4 Blätter mit persönlichen Briefen meines alten Ichs. Ich bin immer noch, nach Jahren meines Abiturs jedes Mal berührt, wenn ich diese Briefe lese und fühle ich bei jedem neuen Brief in die Zeit zurückversetzt, in der ich auf dem Schulhof in David verliebt war, Bandenkriege mit den “Strebern“ hatte und meinen Physiklehrer gehasst habe. Schreiben öffnet die Seele, das weiß ich jetzt. Selbst im nachhinein.

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Versucht es selbst! 🙂 Im Folgenden habe ich 6 Stützen für euch zusammengefasst, dir euch beim ersten Tagebuchschreiben helfen sollen! 

Die Lebensituation

Fange an indem du einfach über deine aktuelle Lebenssituation schreibst. Schreibe über deine Beziehung, deine Arbeit, deinen Freundeskreis. Wie fühlst du dich momentan, wo stehst du im vergleich zu vor ein paar Jahren/Monaten und was macht die derzeitige Situation aus. 

Das Glückstagebuch

Notiere dir jeden Abend vor dem Schlafengehen drei Momente des Tages, in denen du dankbar oder glücklich warst. Das Können Momente, wie eine bestandene Prüfung sein, aber auch kleine Augenblicke, wie ein Kaffee im Bett, ein toller Spaziergang oder ein Gespräch mit einem Freund sein 🙂 

Meine Freundin hat mir Beispielsweise eine Packung Pralinen zu unserem letzten Treffen mitgebracht. „Als Dank, dass du mir immer zuhörst“ hat sie gesagt. Das berührte mich sehr, da ich das als selbstverständlich ansah und machte mich sehr glücklich 🙂

Das Glückstagebuch hilft uns, das Positive bewusster wahrzunehmen und hilft uns das zu sehen, was wir haben:)

Das Minutentagebuch

Ich selbst habe in der Vergangenheit oft schon versucht Tagebuch zu führen. Meistens scheiterte es an der Zeit und Geduld. Versuche deshalb in der Anfangszeit täglich zu schreiben. Für das Minutentagebuch, schreibe ich jeden Morgen eine Zeile, die meinen momentanen inneren Zustand ausdrückt und abends eine weitere, mit der ich den Tag knapp zusammenfasse. Dafür reichen nur wenige Minuten täglich. Du kannst auf diesem Level bleiben wenn es dir Spaß macht und zum Beispiel zu jeder Zeile noch ein Foto dazukleben oder du steigerst dich indem du pro Woche eine Zeile mehr schreibst und somit immer ausführlicher wirst 🙂

Das Traumtagebuch

Ein andere Möglichkeit Tagebuch zu führen, ist das Traumtagebuch. Siegmund Freud sagte, dass in Träumen nicht nur die Erlebnisse des Tages verarbeitet werden, vielmehr seien Träume Botschaften unseres Unterbewusstseins. Wenn wir lernen sie richtig zu deuten könne ein Traum uns als eine Art Wegweiser dienen. Häufig begreifen wir erst im Nachhinein den tieferen Sinn eines Traumes. Intuitiv weiß man dann, was der Traum für einen selbst und die derzeitige Lebenssituation bedeutet. 

Das Reisetagebuch

Ich reise unglaublich gerne. Am liebsten mag ich Städtetouren, bei denen man von einem Museum ins andere rennt, sich vor historischen Gebäuden fotografieren lässt und und wunderschöne Postkarten im Überschuss kauft. Wenn ich dann wieder zuhause bin, ist es beruhigend sich hinzusetzen und alle gesammelten Mitbringsel in ein altes Ledereingebundenes Reisetagebuch oder einen Quietschbunten, selbstbeklebten Collegeblock zu kleben 🙂 Versuche die Zeit auf deiner Reise, egal ob Städtetrip oder Strandurlaub, so bewusst, wie möglich wahrzunehmen, dir die erlebten Dinge einzuprägen und so detailiert du kannst wiederzugeben. 

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Schreibe Jemandem einen Brief, der nie abgeschickt

Die wohl berühmteste Vertreterin, dieser Art des Tagebuches ist wohl Anne Frank. Aber auch andere berühmte Persönlichkeiten waren Liebhaber des Briefes.

„Wie oft in meinem Leben habe ich schon den Erfinder des Brief schreibens geseegnet […] der Erfinder des Brief schreibens, denke ich oft, muß ein guter Mann gewesen seyn, Menschenliebend, erfand er doch eine Sache die fast alle Menschen froh und den Zärtlichen unter ihnen oft so glücklich macht“

Dieses Zitat stammt von Augusta Louise Gräfin zu Stolberg, eine der liebenswürdigsten Briefpartnerinnen Goethes. Augusta lernte Goethe nie persönlich kennen. Sie hatte ihm als Unbekannte auf ihre Lektüre seines Werthers hin geschrieben, welche 1774 erschien. 

Verfasse einen Brief an eine Person, indem du alles ausdrückst, was du persönlich nicht sagen kannst. Da dieser Brief nie an den eigentlichen Empfänger gesendet wird, wird es leichter fallen sich seine Gedanken von der Seele zu schreiben und hilft in Streitfällen oft schon dabei, die Situation leichter zu erfassen 🙂

Ich hoffe ich konnte euch dazu inspirieren das Schreiben selbst mal auszuprobieren! Schreibt mir in die Kommentare, wie euch dieser Beitrag gefallen hat und ob ihr selbst schon mal Tagebuch geschrieben habt 🙂 Ich freue mich über jedes Feedback von euch!

Eure Alina!

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14 Gedanken zu “Schreiben heißt finden, was in dir liegt! / Das Tagebuch :)

  1. Ich finds total toll, dass Du dich an anderen Themen wagst und ich finde, dass das ein sehr gelungener Beitrag ist. Mir geht’s genau so, um ehrlich zu sein. Es scheint als würde die Zeit nur so dahin rasen. Deswegen bin ich froh, wenn ich mit meinen Freunden zusammen bin und wir die Zeit beinander genießen, es gibt nichts schöneres. Und für einen kleinen Augenblick ist es so, als würde die Zeit stehen bleiben.
    Pass auf dich auf & liebe Grüße aus London
    Lynn | http://nexttolondon.blogspot.co.uk/

  2. Ich habe mehrmals versucht ein Tagebuch zu führen. Du hast es richtig erkannt: In Krisensituationen kann das helfen. genau deshalb habe ich immer in einer Krise angefangen Tagebuch zu führen. Und nach der Krise wieder aufgehört. Es nimmt einfach viel zeit in Anspruch. Und ich weiß auch nicht, was ich schreiben soll. Ich bin einfach überfordert. Was soll ich schreiben? Wie soll ich es schreiben? Wie soll ich meine Lage festhalten?
    Das einzige, was einigermaßen gut geklappt hat, war das Glückstagebuch. Es war nciht aufwendig und hat mich motiviert genau das zu machen, was mich glücklich macht. Ich habe mich dadurch auf die wichtigen Dinge konzentriert 🙂

    1. Versuch es doch erst mal mit dem Minutentagebuch und schreibe einfach ganz kurz und knapp eine Sache, die dir vom Tag im Kopf geblieben ist, ganz egal ob die Sache wichtig und unwichtig, schön oder ärgerlich war! 🙂 So Trainierst du, über erlebtes zu schreiben!:) Oder bleib eben einfach beim Glückstagebuch, wenn dir das mehr zusagt! Hauptsache du gibst nicht auf und denkst du kannst irgendwas nicht! 🙂 Liebe Grüße!

  3. Ein schöner Beitrag. Das Tagebuch der Anne Frank habe ich gerne gelesen. Ich mag es Tagebücher zu schreiben und sollte damit auch mal wieder anfangen.
    Liebst Michelle von beautifulfairy

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