Entscheidungen sind was für Weicheier! / Eine Ode an die Freiheit

Die Welt ist frei. Zumindest meine kleine Welt, die mich umgibt. Und damit gehöre ich zu den wenigen Prozent der Menschen, die ihr Leben frei und selbstständig gestalten können. Ich bin dankbar dafür. Dankbar, jeden morgen aufstehen zu können und mich dafür entscheiden zu können, wie ich leben möchte. Und das fängt schon bei den kleinsten Kleinigkeiten an. Ich kann frühstücken, was ich will, kann mich duschen oder es sein lassen (denn ich habe genug Wasser dafür und werde es morgen auch noch haben), mich mit Freunden treffen oder den ganzen Tag mein neues Buch verschlingen. Was die meisten Menschen daran hindert sind Dinge wie Beruf, Kindererziehung oder andere Arten von Verpflichtungen und natürlich das Geld. Dabei ist es so einfach sich, auch mit einem Minimum an Geld oder sogar ganz ohne, frei zu fühlen. Die Frage ist, was Freiheit für uns als Individuum bedeutet. Wenn man möchte und mutig ist, steht es einem offen morgens aufzustehen, seinen Job über den Haufen zu werfen und etwas völlig neues, an einem völlig neuen Ort zu lernen. Was hindert uns? Man muss sich nur für etwas entscheiden. Ein Floß ist schnell gebaut.
Aber widerspricht sich das nicht? Freiheit und Entscheidung? Ist die Freiheit nicht vorbei, wenn man sich einmal für eine Richtung entschieden hat?
Und muss man sich überhaupt entscheiden in einer Welt in der alles frei ist?
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Ich war am Wochenende auf dem Fuchsbau Festival. Ein Festival voll mit elektronischer Musik,Theater, Kunst und gesellschaftskritischer Diskussionen. Wir fingen um 12 Uhr Mittags an zu ohrenbetäubendem Bass und schrillen Technoklängen zu tanzen. Alle um uns herum bewegten sich wie im Fieber zur Musik. Keinen interessierte es, wie gut oder schlecht ein anderer tanzte. Alle waren nur bei sich und fühlten wie in Trance den Zauber, der uns als Masse umgab. Ein Masse, eine große Gemeinschaft und doch jeder für sich.
Barfuß bewegten wir uns im Nieselregen, die Wangen rot von Alkohol und Enthusiasmus, die Augen leuchtend, wenn auch nicht mehr ganz dazu imstande geradeaus zu gucken. Wir mussten aussehen, wie Besessene. Aber das war es wohl. Freiheit. Zumindest für mich. Ich bekam Flügel und konnte auf einmal alles sein, was ich wollte.
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Liebeskummer ist Freiheit
Aber oft begreife ich nicht, wie frei ich bin. Ich setze mich selbst unter Druck mit von mir aufgestellten Regeln und Erwartungen an mich selbst.
Dabei wird der ganze Blick auf das Leben ein anderer, wenn man begreift, wie frei und BEfreit man eigentlich ist. Lange Zeit nach meiner Trennung dachte ich, ich könne nie wieder eine Beziehung führen, weil ich nie wieder jemanden finden würde, der so gut zu mir passt. Ich dachte, mich würde niemals jemand wieder lieben und ich könne nie wieder so lieben. Bis ich verstand, dass es nicht um das können, sondern um das wollen geht.
Natürlich darf man bewusst Liebeskummer spüren und nachspüren. Wenn eine schöne Zeit vergeht ist das traurig und soll sogar wahrgenommen werden. Das ist (auch wenn es schmerzt) gesünder als Verdrängung.
Wenn man es dann geschafft hat diesen Schmerz hinter sich zu lassen, ohne gleich die Erinnerungen verlieren zu wollen, strahlt man das auch aus und hat sich bewusst frei gemacht 🙂 Oder Zumindest wieder ein Stück freier.
Ich kann mich dafür entscheiden zu lieben und geliebt zu werden. Ich kann mich dafür entscheiden Liebeskummer hinter mir zu lassen, indem ich mich bewusst frei davon mache.
Und mit Liebe meine ich nicht unbedingt eine Liebesbeziehung. Auch der Familie und Freundschaften darf man sein Herz öffnen. Ich darf mir die Menschen, die mich umgeben sollen bzw. dürfen frei wählen.
Wenn man diesen Satz verinnerlicht hat, fällt es leichter gute Beziehungen an sich heranzulassen und sich von denen, die einem nicht gut tun, fernzuhalten.
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Freundschaft ist Freiheit
Für mich gibt es viele Formen von Freundschaften. Ich habe den Großteil meiner Zeit in der Annahme gelebt man müsse von vielen Freunden umgeben sein. Viele Menschen haben, denen man wichtig ist und die einen mögen. Frei nach dem Glauben „Je mehr Menschen mich kennenlernen und mögen, desto wertvoller bin ich“. Dabei ist die Anzahl der Freunde nicht bestimmend. Eines Tages entschied ich mich bewusst dazu, schlechten Freundschaften den Rücken zu kehren (Also diese, die mir eher Kraft nehmen, als sie mir zu geben) und mein Herz für wahre Freundschaften zu öffnen. Für mich kann es ganz verschiedene Arten von Freunden geben. Diese, mit denen man sich ab und zu auf einen Kaffee trifft und einfach ein bisschen über belanglose Dinge quatscht, zum Beispiel. Denn auch oberflächliche Bekanntschaften, können stärken. Dann gibt es die alten Freunde, die einen schon eine lange Zeit begleiten und tolle Erinnerungen festigen. Es gibt aber auch wahre Freundschaften. Menschen bei mit denen man einfach gern Zeit verbringt. Denen man das beste wünscht, bei denen man sich geborgen fühlt, man selbst sein kann.
Eine Freundschaft wird durch ihre Form einzigartig. Familieäre und verwandschaftliche Beziehungen sind ewig, bei einer Liebesbeziehung weiß man in der Regel, wann sie begonnen hat. Eine Freundschaft lässt sich hingegen nicht zeitlich festlegen. Außerdem ist der Inhalt eine Freundschaft nicht definiert, wie es z.B. zwischen Kollegen der Fall ist und sie hat keinen institutionellen Rahmen, wie eine Ehe.
Es besteht also in Gestaltung und Form Freiheit. Auch eine Freundschaft hat Höhen und Tiefen,doch man hat keine Verpflichtungen. Kein Haus, das gemeinsam abbezahlt werden muss, keine elterlichen Verpflichtungen.
Entscheidend für den Bestand der Freundschaft ist nur, was man sich selbst von ihr nimmt.
Wie wäre es, es einfach zu tun?
Inzwischen haben Forscher untersucht, worin sich besonders zufriedene Menschen von anderen unterscheiden. Und alle haben eines gemeinsam: Sie machen in der Regel Dinge, die sie tun wollen und die ihnen gut tun. Dadurch werden sie zum aktiven Gestalter ihres eigenen Lebens. Und nehmen die Dinge, die sie nicht tun wollen, überhand und sinkt ihre gefühlsmäßige Zufriedenheit, leiten sie aktiv Veränderungen ein, um sich besser zu fühlen.
Ich las vor einiger Zeit einen wunderbaren Artikel über eine wunderbar mutige Frau. Das was sie so wunderbar mutig machte war dass sie sich entschieden hatte frei zu sein.
Eines Tages wachte sie auf und erkannte, dass sie nicht das Leben führte das sie glücklich und frei machte. Dass sie zu viele Dinge besaß, die sie nicht benötigte, einen Beruf ausübte, indem es nur ums Geld verdienen ging und Schulden angehäuft hatte um ihr vermeintliches Traumhaus abzuzahlen. Also beschloss sie das Haus zu verkaufen, den Job zu kündigen, sich auf das Minimum an Besitz zu beschränken, dass sie zum Leben brauchte und mit ihrem Mann in einem kleinen Haus auf Rädern durch Schweden zu reisen. Nun war die ganze Welt ihr zuhause. Sie konnte leben wo immer sie wollte. Ein frei bestimmtes Nomaden Leben und ihre Version von Freiheit.
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Die Geschichte von T.
Ich kann dir nicht viel bieten, außer einer guten Rum-Cola und einem Joint in meinem Wohnwagen“ sagte T. Zu mir, als wir schon 2 Stunden am Strand saßen, den Sonnenuntergang betrachtend. T. Brachte mir bei, wie man auf einem Surfbrett stand und was es bedeutete, jegliche konventionellen Regeln über Bord zu werfen und auf eine Insel zu ziehen.
Eigentlich ist T. (zumindest beruflich) ziemlich bodenständig. Er studierte BWL und Psychologie und machte gerade seinen Doktor. Reisen tat er schon immer gern, erzählt er mir. Cuba, Brasilien, Holland, Thailand, Kalifornien. Er erzählt mir von wunderbaren Stränden, anderen Kulturen und exotischem Essen, bis ich Fernweh bekam. Nach Sylt gezogen, haben ihn die tollen Wellen, sagt er. „ Auf Sylt hat man die schönsten Wellen zum surfen! Deshalb habe ich mich irgendwann dazu entschieden hier her zu ziehen und als Rettungsschwimmer zu arbeiten. Der Wohnwagen kam dann ganz spontan. War einfach günstiger und man ist freier.“
Sein Leben schien auf mich im ersten Moment, wie ein einziger großer Urlaub, und das war es vielleicht auch für ihn. Doch das Wort frei, verinnerlichte ich wohl erst, als ich ihn begleitete. Wir gingen also zusammen zu seinem Campingplatz, als er plötzlich stehen blieb und nach oben zeigte. Vor uns zeigte sich das schönste Sternenbild, das ich jemals gesehen habe. „ Meine Familie sind Sinti und Roma. Daher habe ich wahrscheinlich auch mein Freiheitsdenken. Ich halte es nicht lang an einem Ort aus“. Ein Wohnwagen, Sternenbilder anstatt Fernsehen, das Meer vor der Tür und wieder der Gedanke „Ich darf mein Leben frei nach meinen wünschen gestalten“. All das stand stellvertretend für seine Art der Freiheit. Für seine Art Grenzen zu sprengen. Und beeindruckte mich sehr. 
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Tanze als würde dich niemand sehen. Liebe als wäre dein Herz nie gebrochen. Singe als könne dich niemand hören. Lebe als gäbe es kein Morgen.
Für mich habe ich daraus gelernt, dass Freiheit für viele Menschen ganz Unterschiedliches bedeuten kann. Für mich kann Freiheit bedeuten zu reisen und neue Wege zu gehen. Genauso gut bedeutet Freiheit aber auch für mich, an einem verregneten Tag die Freiheit zu haben, mich mit einer wunderbaren Person auf ein Stück Kuchen zu treffen. Wichtig ist nur nie zu vergessen, was man hat und dankbar für alles zu sein, das uns ermöglicht wird. Ich weiß, wie viel Leid es auf dieser Welt gibt. Wie viele Menschen ein unfreies Leben führen und genieße jeden Tag aus vollen Zügen, die Freiheit zu haben glücklich zu sein.
Schreibt mir bitte in die Kommentare, was für euch Freiheit bedeutet und ob ihr euch schon mal bewusst Gedanken darüber gemacht habt!
Mich interessiert natürlich auch wie immer, wie euch dieser Beitrag gefallen hat!
Habt einen wunderbaren Tag und genießt das Leben!
Eure Alina 🙂
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13 Gedanken zu “Entscheidungen sind was für Weicheier! / Eine Ode an die Freiheit

  1. Jeder ist so frei wie er sich das Leben macht. Klar bin ich frei z.B. arbeiten zu gehen aber ohne Geld kann ich andere Dinge in meiner Freiheit nicht genießen 🙂 Es gibt für mich Lebenslagen in denen ich nicht frei bin die Frage ist, kann ich damit leben? Solange ich die meiste Zeit meine Freiheit ausleben kann, ja kann ich mit kleinen Einschränkungen leben 🙂

    Liebe Grüße Laura vom
    http://streuselsturm.blogspot.de/

  2. Ein wirklich interessanter Beitrag! Ich habe ihn mir gleich mal abgespeichert, damit ich ihn nochmals lesen kann. Echt inspirierend! 🙂
    Liebe Grüße!

  3. Freiheit heisst nicht immer gleich frei sein. Manchmal bedeutet Freiheit auch Sicherheit. Vielleicht die Sicherheit vor einem Selbst.

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